Trier – warum eigentlich …?

1. Juli 2007 Thomas Wystrach Texte

Warum eigentlich läuft man freiwillig 220 km in einer Woche? Wie kommt es, dass man sich jedes Jahr auf’s Neue auf Blasen an den Füßen und Muskelkater in den Beinen einlässt?

Wieso teilt man sich freiwillig mit 40 anderen Frauen oder Männern ein Bad mit zwei Waschbecken ohne Dusche? Warum verzichtet man eine Woche lang (oder auch vier Tage) auf Privatsphäre, Zivilisation und ein gepflegtes Äußeres?

Woher kommt die Begeisterung für diesen Weg?

Ist es die Aufbruchsstimmung, geprägt von einer Mischung aus Vorfreude und Ungewissheit, die man empfindet, wenn man morgens an der Kirche in Anrath steht? Sind es die ersten Kilometer, auf denen sich die Füße an die Schuhe und man selbst sich an den bunt zusammengewürfelten Haufen gewöhnen muss?

Sind es die vom Pausenteam liebevoll kleingeschnittenen Äpfel oder die traditionellen Doppelkekse? Ist es die Erfahrung, dass man von der Gruppe getragen wird, auch wenn die Füße irgendwann noch so schmerzen und die Regenjacke mal wieder undicht ist?

Ist es die scheinbare Endlosschleife des „Best of kreuzweise“? Sind es die Gespräche, Gedanken, Momente oder die Tatsache, dass man mit der Gruppe sowohl lachen als auch schweigen kann?

Pilger-Kreuz

Pilger-Kreuz

Sind es Kronkorken-Sammlungen, Dextro-Traubenzucker oder das Schnitzel in der Mittagspause? Ist es der unglaubliche Einsatz von Menschen, die sich nicht zu schade sind, fremde Blasen aufzustechen oder die, noch bevor man morgens von Jojos sanfter Stimme geweckt wird, in der Küche stehen, um das Frühstück zu machen und die sich auf der Wallfahrt für die Gruppe stark machen?

Ist es das „Stubbi“ am Abend oder der erste, überwältigende Blick auf Trier? Die Moselpromenade oder das Gefühl, wenn man in den Hof der Basilika einzieht? Ist es Gottes Geist, der dafür sorgt, dass der Weg zum Ziel wird?

Die Gründe, aus denen jeder Einzelne sich auf den Weg zum Apostelgrab macht, mögen genauso unterschiedlich sein wie die Charaktere, die den Charme dieser Gruppe ausgemacht haben. Jeder hat persönlich und individuell zur Gemeinschaft beigetragen und kann hoffentlich mindestens ebenso viel mitnehmen. Was jedoch allen gemeinsam ist, ist der Gedanke:

„Wenn nicht jetzt, wann dann?
Wenn nicht hier, sag mir wo und wann?
Wenn nicht wir, wer sonst?“

(Lisa und Birte, Trier 2007)


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