St. Matthias

Historisches und Legendäres zum Schutzpatron unserer Bruderschaft

»Matthias« ist die Kurzform des gräzisierten Namens »Mattathias«, abgeleitet vom hebräischen »Mattitjah« (d.h. »von Jahwe gegeben« bzw. »Gottesgabe«). Zu den am Beginn der Apostelgeschichte berichteten Ereignissen gehört die Ergänzung des Zwölferkreises (Apg 1, 15-26). Im Anschluss an eine ausführliche Rede des Petrus vor der versammelten Gemeinde, in der er das Ende des Verräters Judas Iskarioth schildert und die Notwendigkeit der Vervollständigung des Apostelkollegiums auf die Zwölferzahl heraushebt (Apg 1,20), findet eine Wahl zwischen »Joseph, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias« (Apg 1,23) statt. Nach Apg 1,26 fällt das Los auf Matthias, der »den elf Aposteln zugerechnet wurde«. Abgesehen von Apg 1,21 f., wonach der zu Wählende zu den ersten Jüngern Jesu zählt, enthält das übrige Neue Testament keinen weiteren Hinweis auf Person oder Wirken des Matthias.

St. Matthias (Trier)

St. Matthias (Trier)

Wegen der großen Bedeutung des Zwölferkreises für die früheste Geschichte der Jerusalemer Urgemeinde ist jedoch an der Historizität des in Apg 1,23-26 geschilderten Vorgangs nicht zu zweifeln. Allerdings hat sich aufgrund der fehlenden biographischen Angaben schon früh die Legende des Matthias bemächtigt, wobei die vielfältigen und teilweise widersprüchlichen Überlieferungen einerseits an das dürftige Zeugnis der Apostelgeschichte anknüpfen und dieses ausgestalten, andererseits Nachrichten und Geschehnisse, die mit anderen Personen verbunden sind, auf Matthias übertragen, z.B. von Paulus und (infolge Namensverwechslung) von Matthäus.

Einer sehr vagen Tradition zufolge (Eusebios, HE I 12,3) stammte Matthias aus einer wohlhabenden Familie in Bethlehem, habe Jesus in jungen Jahren kennen gelernt und zu den 70 Jüngern gehört, die er zur Verkündigung des Reiches Gottes aussandte (vgl. Lk 10,1 und Apg 1,21). Nach seiner Wahl wirkte Matthias in Judäa, nach anderen Quellen in Äthiopien, Griechenland oder sogar im Kaukasusgebiet. Schon im 2. Jahrhundert kursierte eine nur bruchstückhaft erhaltene (gnostische?) Evangelienschrift unter seinem Namen.

Über den Tod des Matthias differieren die Zeugnisse beträchtlich. Einer Überlieferung zufolge (apokryphe »Acta Andreae«) soll ihn nach vorübergehender Blendung und wunderbarer Wiedererlangung des Augenlichts der Apostel Andreas aus den Händen von Menschenfressern (Skythen?) gerettet haben, so dass er eines friedlichen Todes starb. Andere Quellen berichten von einem Martyrium durch Kreuzigung, Steinigung oder (so die Mehrzahl) durch Enthauptung. Die divergierenden Berichte sind offenbar an die Berichte über den Tod des Herrenbruders Jakobus und über die Enthauptung des Paulus angeglichen.

Seine Gebeine wurden angeblich im 4. Jahrhundert im Auftrag der hl. Kaiserin Helena durch Bischof Agricius nach Trier überführt, doch liegen schriftliche Zeugnisse darüber erst aus dem 9. Jahrhundert vor. Ein Matthias-Kult entfaltete sich in Trier seit der Wiederauffindung der zeitweise verschollenen Reliquien um 1050 und wieder am 1.9.1127 und ihrer Übertragung in das Euchariusstift, das seither den Namen des Apostels trägt. Außerdem werden Matthias-Reliquien auch in S. Maria Maggiore in Rom und in S. Giustina in Pavia aufbewahrt.

St. Matthias

St. Matthias

In der Ikonographie erscheint Matthias seit dem 13. Jahrhundert mit den Attributen Schwert, Beil oder Hellebarde (als Hinweis auf sein Martyrium). Darauf weist auch die Redensart »mit Matthias‘ Beil gehauen« hin. Er ist (mit lokalen Abweichungen) Patron der Metzger, Schweinehirten, Zimmerleute, Schneider, Schmiede, Zuckerbäcker und Schulkinder. Angerufen wird er bei Blattern, Keuchhusten und Unfruchtbarkeit. Besondere Bräuche in der Matthias-Nacht (Liebes- und Todesorakel in bezug auf die Wahl des Apostels durch Los; Graben von Schätzen) sind seit dem 16. Jahrhundert im Rheinland nachweisbar. Des weiteren existieren auch Bauernregeln wie »Mattheis bricht’s Eis« oder »St. Matthias hab ich lieb, denn er gibt dem Baum den Trieb«. In Böhmen wollte man durch magische Handlungen (Schütteln der Obstbäume und Schreien) die Obsternte günstig beeinflussen.

Neben der Diözese Trier, die Matthias als Diözesanpatron verehrt, und wo Wallfahrten zu seinem Grab sowie Matthias-Bruderschaften von seinem hohen Ansehen zeugen, bilden die Städte Aachen, Goslar, Hannover und Hildesheim Zentren des Matthias-Kults. In Goslar wurde aus Harzsilber sogar eine Matthias-Münze geprägt (»Matthiarius«). Matthias war als Taufname beliebt und ergab (als patronymische Ableitungen – »Sohn des Matthias«) zahlreiche Familiennamen wie »Thees«/»Thies(s)«/»Theis(s-en)«, »Thi(e)ssen«/»Thyssen«, »Thiwissen«/»Thivessen«/»Theveßen«, »Thewe(s)«, »Tigge(s)«, »Mat(th)i(e)s(s)en«, »Mat(th)es« oder »Matti«.

Als Gedenktag verzeichnet die römisch-katholische Kirche den 24. Februar (in Schaltjahren 25. Februar), dazu im Lokalkalender des Bistums Trier den 18. Juli als Tag der Überführung der Gebeine. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Festtag auf den 14. Mai verschoben. Die griechisch-orthodoxe und die syrische Kirche ehren Matthias am 9. August, die äthiopische und die koptische Kirche am 4. März.


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